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SNAP erklärt — warum dein Sommerstrom von 10-16 Uhr günstiger ist

05.05.2026 · Gerold Babuschik

SNAP erklärt — warum dein Sommerstrom von 10-16 Uhr günstiger ist

Falls du deine Stromrechnung schon mal genau angesehen hast, ist dir vielleicht der Posten „Netznutzung Sommer Niedertarif“ oder ähnliches aufgefallen. Dahinter steckt der sogenannte SNAP - Sommer-Nieder-Arbeitspreis. Offiziell soll er dazu anreizen, Strom in den Mittagsstunden zu verbrauchen. Unsere Sicht dazu ist allerdings deutlich kritischer - und wir erklären hier auch, warum der SNAP für EEG-Mitglieder nicht so spannend ist, wie er auf den ersten Blick wirkt.

Warum wir den SNAP kritisch sehen: Gesenkt werden die Netzgebühren — also genau jener Kostenblock, der mit der hohen Stromerzeugung im Sommer am wenigsten zu tun hat. Im Gegenteil: Durch die gleichzeitige PV-Einspeisung in ganz Österreich ist das Verteilnetz mittags im Sommer überbeansprucht, nicht unterausgelastet. Sinnvoll wäre aus unserer Sicht eine Senkung des Energiepreises (der tatsächlich den Markt abbildet), nicht des Netzentgelts.

Was ist der SNAP genau?

Der SNAP ist eine Netzentgelt-Vergeunstigung für Stromverbrauch zu Zeiten, in denen das Netz typischerweise entlastet ist - nämlich wenn die Sonne scheint. Konkret:

  • Zeitraum: 1. April bis 30. September
  • Uhrzeit: täglich 10:00 bis 16:00
  • Vorteil: 20 % Rabatt auf das Netznutzungsentgelt (80 % vom regulären Tarif)

Voraussetzung: Du hast einen Smart-Meter und hast den SNAP-Tarif aktiviert. Bei Wiener Netze geht das per Opt-in im Kundenportal - mehr dazu weiter unten.

Warum gibt es den SNAP?

Offizielle Begründung des Regulators (eControl): Zwischen 10 und 16 Uhr erzeugen zehntausende PV-Anlagen in Österreich gleichzeitig Überschussstrom. Wer in dieser Zeit Strom verbraucht, soll belohnt werden — über einen Rabatt auf das Netznutzungsentgelt.

Unsere Einordnung: Das Argument hält technisch nicht stand. Gerade durch die gleichzeitige Einspeisung ist das Verteilnetz mittags im Sommer vielerorts stärker belastet als in anderen Tagesabschnitten — Stichwort überlastete Ortsnetztrafos, abgeregelte PV-Anlagen, negative Strompreise. Ein Rabatt auf Netzgebühren löst dieses Problem nicht, sondern verlagert nur den Anreiz. Konsequent wäre eine Preissenkung auf der Energieseite — dort, wo das Überangebot tatsächlich entsteht.

Wie viel spart das konkret?

Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch, bei dem etwa 15-25 % des Bezugs in die SNAP-Zeit fallen, reden wir von einer Netzgebühren-Ersparnis von rund 10-20 Euro pro Jahr. Nicht revolutionär, aber für 2 Klicks im Wiener-Netze-Portal kein schlechter Deal.

Für Betriebe mit Tagesbetrieb oder Haushalte mit Wärmepumpe, E-Auto oder Pool-Heizung sieht die Rechnung anders aus: Hier kann die Ersparnis leicht auf 60-150 Euro pro Jahr wachsen, wenn man den Verbrauch bewusst auf die Mittagszeit legt.

SNAP und EEG — wichtig zu wissen

Hier gibt es einen entscheidenden Punkt, der in vielen Erklärungen untergeht: SNAP und EEG-Rabatt sind nicht kumulativ. Die beiden Vergünstigungen stapeln sich nicht.

  • EEG-Rabatt greift auf jede kWh, die aus der Energiegemeinschaft bezogen wird (57 % lokal / 28 % regional Netzgebühren-Rabatt).
  • SNAP-Rabatt greift nur auf kWh, die nicht über die EEG gedeckt sind — also auf den Reststrom-Bezug von deinem regulären Energieversorger zwischen 10 und 16 Uhr von April bis September.

Mit anderen Worten: Je mehr Strom du über die EEG beziehst, desto weniger relevant ist der SNAP für dich. Für unsere Mitglieder ist der EEG-Rabatt in aller Regel der deutlich größere Hebel — der SNAP greift nur dann, wenn gerade kein EEG-Strom verfügbar ist (z.B. bei Wolken oder hoher Nachfrage innerhalb der EEG).

So optimierst du deinen Verbrauch

Ein paar einfache Tricks, mit denen du mehr Verbrauch in die SNAP-Zeit verschiebst:

  • Waschmaschine und Geschirrspüler auf 12:00 oder 14:00 timern (die meisten Geräte haben einen Startzeit-Timer).
  • E-Auto mittags laden, nicht nachts - sofern du tagsüber zu Hause bist.
  • Wärmepumpe / Warmwasser: viele Modelle kann man auf „Smart-Grid-Ready“-Betrieb stellen - sie schalten dann automatisch ein, wenn Strom günstig ist.
  • Pool-Heizung: Mittagsbetrieb statt Nachtbetrieb.

SNAP aktivieren - so geht's

Falls du den SNAP-Tarif noch nicht hast:

  1. Einloggen im Wiener-Netze-Portal.
  2. Unter „Verträge“ bzw. „Netztarife“ den SNAP-Tarif aktivieren (Opt-in).
  3. Der neue Tarif gilt ab dem nächsten Abrechnungszyklus.

Eine kleine Kuriosität: Der SNAP gilt nur für den Verbrauch. Als Erzeuger in der EEG profitierst du nicht direkt davon - aber indirekt schon, weil deine EEG-Kollegen dann bevorzugt zu deinen Produktionszeiten beziehen.

Fazit

Der SNAP ist aus unserer Sicht das falsche Instrument am falschen Hebel — eine Netzgebühren-Vergünstigung, die das eigentliche technische Problem (Überlastung im Sommer-Mittagsfenster) nicht löst. Für Haushalte ohne EEG-Mitgliedschaft bringt er eine kleine Ersparnis; für unsere EEG-Mitglieder greift er dagegen nur auf den Reststrom-Anteil und ist damit meist nebensächlich.

Der wirklich große Hebel bleibt der EEG-Rabatt auf die Netzgebühren (bis zu 57 % lokal) — kombiniert mit einem Energiepreis, der aus der Region kommt und nicht über die Börse schwankt.

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