Schau dir mal deine letzte Stromrechnung an. Du wirst dort viele Posten finden — Energiepreis, Netznutzung, Netzverlust, Messentgelt, Netzleistungs-Pauschale, Elektrizitätsabgabe, Erneuerbaren-Förderbeitrag, EAG-Pauschale, Umsatzsteuer… Aber weißt du auch, wie viel davon wirklich der Strom selbst kostet, und wie viel Steuern und Netzgebühren sind?
In diesem Beitrag zerlegen wir eine echte Stromrechnung Cent für Cent — mit den realen Werten, die im Netzbereich Wiener Netze (also bei dir in Guntramsdorf und Umgebung) gelten. Und wir zeigen, an welchen dieser Posten unsere Energiegemeinschaft tatsächlich etwas ändert — und an welchen nicht.
Die 4 großen Blöcke einer Stromrechnung
Egal bei welchem Anbieter, egal in welchem Netzbereich — jede Stromrechnung in Österreich besteht aus genau vier Blöcken:
- Energiepreis — was du für den eigentlichen Strom zahlst (geht an deinen Stromlieferanten)
- Netzentgelte — was du für die Leitungen und das Netz zahlst (geht an Wiener Netze)
- Steuern und Abgaben — was an den Staat geht
- Umsatzsteuer — 20 % auf alle drei vorigen Blöcke
Klingt einfach. Wird aber in der Praxis gerne so dargestellt, dass niemand mehr durchblickt. Schauen wir uns jeden Block genauer an.
Block 1: Der Energiepreis
Das ist der Posten, den die meisten meinen, wenn sie „Strompreis" sagen. Aktuell liegt der durchschnittliche Energiepreis bei den gängigen österreichischen Anbietern bei rund 10 ct/kWh netto — manche etwas darunter, manche darüber. Der Marktpreis (Quartalsmittel an der Strombörse), an dem sich viele Anbieter orientieren, lag im 1. Quartal 2026 bei 9,25 ct/kWh und im 2. Quartal 2026 bei 11,97 ct/kWh (Quelle: E-Control). Spotpreise schwanken Stunde für Stunde — ein realer Kunde mit Naturstrom-SPOT-Tarif hat im Februar 2026 zum Beispiel im Schnitt 11,38 ct/kWh netto bezahlt.
Wichtig: Das ist der einzige Block, in dem die Anbieter wirklich miteinander konkurrieren. Wer zwischen verschiedenen Anbietern vergleicht, sollte hier hinschauen — nicht beim Bruttopreis, der von Anbieter zu Anbieter völlig identisch ist (weil Netz und Steuern feste Tarife sind).
Block 2: Die Netzentgelte
Hier geht es um die Infrastruktur — Leitungen, Trafostationen, Zähler, Wartung. Die Tarife werden vom Regulator E-Control festgelegt und sind nicht verhandelbar. Im Netzbereich Wiener Netze (Netzebene 7, also typisches Einfamilienhaus) zahlst du aktuell:
- Netznutzungsentgelt: 6,98 ct/kWh
- Netzverlustentgelt: 0,70 ct/kWh
- Messentgelt: 0,0717 Euro pro Tag (rund 2,18 Euro/Monat, ca. 26 Euro/Jahr)
- Netzleistungs-Pauschale: 0,1479 Euro pro Tag (rund 4,50 Euro/Monat, ca. 54 Euro/Jahr)
Die arbeitsbezogenen Posten ergeben zusammen 7,68 ct/kWh — und dazu kommen noch rund 80 Euro/Jahr Pauschalen, die du auch dann zahlst, wenn keine einzige Kilowattstunde Strom fließt.
Hier kommt die EEG ins Spiel. Wenn du Strom aus unserer Energiegemeinschaft beziehst, zahlst du nicht mehr den vollen Netznutzungstarif — sondern nur einen reduzierten:
- Bei lokaler Deckung (also Strom aus deiner direkten Trafo-Sektion): nur 3,00 ct/kWh Netznutzung statt 6,98 — das sind 57 % Rabatt
- Bei regionaler Deckung (aus dem weiteren Umspannwerks-Bereich): nur 5,03 ct/kWh Netznutzung — das sind 28 % Rabatt
Wichtig: Das Netzverlustentgelt (0,70 ct/kWh) wird auch auf EEG-Kilowattstunden berechnet — das gilt für jede einzelne kWh, die durch dein Netz läuft, egal ob aus EEG oder Standardbezug. Genauso bleiben Messentgelt und Netzleistungs-Pauschale unverändert. Reduziert wird nur der reine Netznutzungs-Arbeitspreis. Trotzdem ist das der größte Hebel der EEG — und einer der Hauptgründe, warum sich die Mitgliedschaft überhaupt lohnt.
Block 3: Steuern und Abgaben
Ein bisschen versteckt, aber durchaus relevant:
- Elektrizitätsabgabe: 0,10 ct/kWh für Privathaushalte (Betriebe zahlen 0,82 ct/kWh — deutlich mehr, weil der reduzierte Haushalts-Satz seit 2025 nur für private Endkunden gilt)
- Erneuerbaren-Förderbeitrag (EAG): rund 0,62 ct/kWh in Summe (0,5830 ct/kWh auf Netznutzung + 0,0370 ct/kWh auf Netzverlust)
- EAG-Pauschalen: Erneuerbaren-Förderpauschale ca. 19 Euro/Jahr und ein kleiner Grundpreis-Anteil ca. 4 Euro/Jahr (Summe ~23 Euro/Jahr)
- Gebrauchsabgabe in einigen Gemeinden (in Guntramsdorf nicht relevant)
Bei Strom aus der EEG entfallen sowohl die Elektrizitätsabgabe als auch der Erneuerbaren-Förderbeitrag pro kWh vollständig (gesetzlich geregelt im ÖStG bzw. EAG). Privathaushalte sparen so 0,10 + 0,62 = 0,72 ct/kWh, Betriebe sogar 0,82 + 0,62 = 1,44 ct/kWh. Was nicht entfällt, sind die jährlichen EAG-Pauschalen (rund 23 Euro/Jahr) — die werden weiter erhoben, weil sie nicht an den Verbrauch gekoppelt sind.
Block 4: Umsatzsteuer (20 %)
Auf alles oben drauf kommen 20 % Umsatzsteuer. Für Strom aus der EEG kann die Umsatzsteuer auf den Energiepreis-Anteil entfallen, sofern der Erzeuger Kleinunternehmer ist — was bei den meisten privaten PV-Anlagen der Fall ist. Das spart nochmal rund 20 % auf den Energiepreis-Anteil deines EEG-Bezugs. Auf Netzentgelte und EAG-Pauschalen ist die USt aber weiter fällig.
Aktueller Gesamtkostenvergleich pro kWh
Damit du das Ganze nicht nur in Wörtern, sondern in echten Zahlen siehst — hier die aktuelle Tarif-Vergleichstabelle (Stand: 2. Quartal 2026, Privathaushalt im Wiener-Netze-Gebiet). Diese Tabelle findest du in ähnlicher Form auch auf unserer Tarife-Seite:
| Kostenposition | Normaler Anbieter | Lokale EEG | Regionale EEG |
|---|---|---|---|
| Energiekosten | |||
| Energiepreis netto (Beispiel) | 10,00 | 13,48 | 11,05 |
| Netzentgelte & Abgaben | |||
| Netznutzungsentgelt | 6,98 | −57% 3,00 | −28% 5,03 |
| Netzverlustentgelt | 0,70 | 0,70 | 0,70 |
| Elektrizitätsabgabe | 0,10 | entfällt 0,00 | entfällt 0,00 |
| Erneuerbaren-Förderbeitrag | 0,62 | entfällt 0,00 | entfällt 0,00 |
| Umsatzsteuer (20 %) * | 3,68 | 0,74 | 1,15 |
| Summe Netzentgelte & Abgaben | 12,08 | 4,44 | 6,88 |
| Ersparnis bei Gebühren | — | 7,64 | 5,20 |
| GESAMTPREIS pro kWh | 22,08 | 17,92 | 17,92 |
| Deine Gesamtersparnis | — | 4,16 | 4,16 |
Alle Werte in ct/kWh. * Bei der EEG wird die USt nur auf die Netzentgelte berechnet, nicht auf den Energiepreis (Kleinunternehmerregelung § 6 Abs. 1 Z 27 UStG).
Das Erstaunliche: Selbst wenn der reine Energiepreis der EEG (13,48 ct/kWh lokal bzw. 11,05 ct/kWh regional) deutlich höher ist als beim Standardanbieter (10 ct/kWh) — durch die reduzierten Netzentgelte und den vollständigen Wegfall von Elektrizitätsabgabe und Erneuerbaren-Förderbeitrag zahlst du im Gesamtpaket 4,16 ct/kWh weniger. Das sind ziemlich exakt 19 % Ersparnis pro Kilowattstunde EEG-Bezug.
Wichtige Einordnung: Diese 4,16 ct sparst du pro EEG-bezogener Kilowattstunde. Der Gesamt-Spareffekt hängt davon ab, wie viel Prozent deines Jahresverbrauchs überhaupt aus der EEG kommen. Bei einer realistischen Jahres-Deckung von ~35 % (siehe weiter unten) entspricht das im typischen Haushalts-Mix etwa 50–150 Euro pro Jahr.
Echte Beispielrechnung: Privathaushalt, Februar 2026
So sieht eine reale Februar-Rechnung eines Wiener-Netze-Privatkunden mit 849 kWh Verbrauch (28 Tage, davon 5 kWh aus EEG) aus:
- Energie (Naturstrom SPOT 11,38 ct/kWh + 1,80 Euro Grundpreis): 98,39 Euro
- Netzdienstleistungen NE 7 (Netznutzung, Netzverlust, Mess- und Netzleistungs-Pauschale, mit EEG-Rabatten auf 5 kWh): 71,58 Euro
- Steuern und Abgaben (E-Abgabe Privat 0,10 ct/kWh, EAG-Beiträge auf Restbezug, EAG-Pauschalen): 7,86 Euro
- Zwischensumme netto: 177,83 Euro
- + 20 % USt: 35,57 Euro
- Brutto: 213,40 Euro (= 25,1 ct/kWh inkl. aller Pauschalen)
Aufgeteilt: 46 % deiner Bruttorechnung sind Energie, 34 % Netz, 4 % Steuern und Abgaben — und 17 % sind Umsatzsteuer.
Hochrechnung auf einen 4.000-kWh-Haushalt
Für einen typischen Privathaushalt mit 4.000 kWh/Jahr und ohne EEG-Bezug ergibt das in Summe rund 860 Euro netto bzw. 1.030 Euro brutto pro Jahr (inkl. aller Mess- und EAG-Pauschalen). Das sind ca. 25,8 ct/kWh brutto Vollkosten — deutlich mehr als die nackten 10 ct/kWh Energiepreis vermuten lassen.
Wichtig: Zwei verschiedene Prozentwerte nicht verwechseln
Beim Thema EEG-Ersparnis werden in der öffentlichen Diskussion oft zwei völlig unterschiedliche Prozentwerte vermischt — das führt zu unrealistischen Erwartungen. Wir trennen das hier sauber:
- Aufteilung wenn die EEG liefert (Lokal- vs. Regional-Anteil des EEG-Stroms selbst): bei der EEG Guntramsdorf real ~45 % lokal / 55 % regional über das Jahr 2025/26 gesehen. In einer ausgereiften EEG mit dichten lokalen Sektionen wären auch 60–80 % lokal möglich — das hängt davon ab, wie viele Erzeuger und Verbraucher in derselben Trafo-Sektion sitzen.
- Jahres-Deckungsgrad (wie viel Prozent deines Gesamt-Stromverbrauchs überhaupt aus der EEG kommen): realistisch ~30–40 % im Jahresschnitt, der Rest ist Restbezug aus dem normalen Netz. Die EEG Guntramsdorf zielt auf rund 35 % Jahres-Deckung als realistische Planungsgröße ab — das ist auch der Default-Wert in unserem Sparrechner.
Warum nicht 100 % Deckung?
Eine berechtigte Frage. Die Antwort ist physikalisch und nicht politisch: Die Erzeugung in der EEG Guntramsdorf ist heute überwiegend PV-basiert — und PV produziert nun mal nur, wenn die Sonne scheint. Konkret bedeutet das:
- Nachts liefert die EEG nichts — und im typischen Haushalt läuft trotzdem Kühlschrank, Stand-by, Heizungspumpe, Beleuchtung.
- Im Winter gibt es deutlich weniger Sonnenstunden, oft Bewölkung — gleichzeitig steigt der Verbrauch (Wärmepumpen, Beleuchtung, E-Heizungen). Reale Werte aus unserer EEG: Dezember 2025 nur 0,6 % Deckung, Januar 2026 nur 1,3 %.
- Schlechtes Wetter (Schnee auf Modulen, dichte Wolken) reduziert die Erzeugung weiter.
- Sommerüberschuss kann nicht in den Winter mitgenommen werden — die EEG hat (noch) keinen saisonalen Speicher. Im Juni 2025 lag die Deckung bei 49 %, im Dezember bei 0,6 %.
- Wenn ein Erzeuger den eigenen Strom selbst verbraucht (Eigenverbrauch der PV-Anlage), geht entsprechend weniger an die anderen EEG-Verbraucher.
Das ist kein Versagen der EEG — das ist die Natur regenerativer Erzeugung. Andere österreichische EEGs liegen typischerweise im selben Bereich von 25–40 % Jahres-Deckung. Die EEG ist als zusätzliche günstige Stromquelle gedacht, nicht als Ersatz für den klassischen Stromvertrag.
Realistische Sparrechnung
Mit den ehrlichen Annahmen (35 % Jahres-Deckung, davon ~45 % lokal und ~55 % regional) ergibt sich für unseren 4.000-kWh-Haushalt:
- 35 % aus EEG = 1.400 kWh (davon rund 630 kWh lokal und 770 kWh regional)
- 65 % Restbezug = 2.600 kWh zum normalen Tarif
- Ersparnis pro EEG-kWh laut Vergleichstabelle oben: 4,16 ct/kWh (lokal und regional ergeben in Summe nahezu denselben Wert)
- Jahresersparnis: 1.400 kWh × 4,16 ct = rund 58 Euro pro Jahr
Für andere Verbräuche (gleiche Annahme 35 % Deckung):
- 2.000 kWh/Jahr (kleiner Single-Haushalt): rund 29 Euro/Jahr
- 4.000 kWh/Jahr (Standardhaushalt): rund 58 Euro/Jahr
- 6.000 kWh/Jahr (größerer Haushalt mit Wärmepumpe): rund 87 Euro/Jahr
- 10.000 kWh/Jahr (Haushalt mit E-Auto, Wärmepumpe, Pool): rund 146 Euro/Jahr
- 20.000 kWh/Jahr (kleiner Betrieb): rund 290 Euro/Jahr — Betriebe sparen sogar etwas mehr, weil ihr Elektrizitätsabgaben-Satz mit 0,82 ct/kWh deutlich höher ist als der Privat-Satz von 0,10 ct/kWh
Realistische Bandbreite für Privathaushalte: rund 50–150 Euro pro Jahr — je nach Verbrauch und tatsächlich erzielter Jahres-Deckung. Wer durch optimierten Tagesverbrauch (Waschmaschine, Spülmaschine, E-Auto-Laden in den Mittagsstunden) eine höhere Deckung erreicht, kann diesen Wert spürbar steigern.
Das ist — ehrlich gesagt — kein Weitsprung. Aber für 5 Minuten Anmeldung und keinen weiteren laufenden Aufwand ist es trotzdem ein guter Deal, zumindest ein Heurigenbesuch ist jedenfalls möglich. Vor allem, weil das Geld in der Region bleibt statt zu Börsenhändlern oder Konzernen zu fließen — und du indirekt den weiteren Ausbau erneuerbarer Erzeugung in Guntramsdorf mitfinanzierst.
Hinweis zur Februar-Beispielrechnung weiter oben
Die echte Februar-Rechnung im Beispiel oben hatte nur 5 kWh aus EEG bei 849 kWh Gesamtverbrauch (das sind 0,6 %). Das ist nicht der Jahresschnitt — sondern ein typischer Winter-Wert. Im Februar liefert die PV-dominierte EEG schlicht sehr wenig. Im Sommer dreht sich das Verhältnis dramatisch um: Im Juni 2025 lag die Deckung der EEG Guntramsdorf bei 49 %, im Juli bei 41 %, im August bei 44 %. Übers Jahr gemittelt landet man dann eben bei den genannten ~35 %.
Was die EEG nicht ändert
Damit wir ehrlich bleiben — diese Posten zahlst du auch als EEG-Mitglied weiter, und zwar in voller Höhe:
- Messentgelt (rund 26 Euro/Jahr)
- Netzleistungs-Pauschale (rund 54 Euro/Jahr)
- Netzverlustentgelt 0,70 ct/kWh — auch auf jede EEG-Kilowattstunde
- EAG-Pauschalen (rund 23 Euro/Jahr) — nur der EAG-Beitrag pro kWh entfällt, die fixe Jahres-Pauschale bleibt
- Für Reststrom (also wenn die EEG gerade nicht liefern kann) gilt der volle Tarif deines normalen Anbieters
Selber nachrechnen
Wenn du unser Mitglied bist, siehst du in deinem persönlichen Portal mit ein, zwei Tagen Verzögerung, wie viel Strom du über die EEG bezogen hast und wie viel das in Cent ausmacht (die Verbrauchsdaten kommen von Wiener Netze immer am Folgetag herein). Für Nicht-Mitglieder gibt's den Sparrechner auf unserer Startseite, der dir auf Basis deines Jahresverbrauchs die zu erwartende Ersparnis kalkuliert.
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