Wenn man an Speicher denkt, denkt man meist an teure Batterien. Dabei steht in vielen Häusern schon ein hervorragender Speicher — nur dass er keine Kilowattstunden, sondern Wärme speichert: der Warmwasserboiler und, falls vorhanden, die Wärmepumpe mit Pufferspeicher. Mit dem richtigen Timing lässt sich darin günstiger Sonnenstrom „einlagern". So funktioniert's.
Warum Wärme ein guter Speicher ist
Strom lässt sich nur mit teurer Batterietechnik speichern. Wärme dagegen speichert ein gut isolierter Wasserspeicher fast geschenkt: Ein 300-Liter-Boiler, mittags auf Temperatur gebracht, hält das warme Wasser viele Stunden bereit — bis in den Abend und oft bis zum nächsten Morgen. Du musst die Wärme also nicht dann erzeugen, wenn du sie brauchst, sondern dann, wenn der Strom am günstigsten ist: in den Tagstrom-Stunden.
Warmwasser: der einfachste Einstieg
Den größten Effekt mit dem kleinsten Aufwand bringt die Warmwasserbereitung. Ein elektrischer Boiler oder eine Brauchwasserwärmepumpe zieht ordentlich Strom, wenn sie aufheizt. Wenn du diese Aufheizphase in die Mittagsstunden legst, deckst du sie weitgehend mit günstigem Gemeinschaftsstrom.
So setzt du das um:
- Zeitschaltuhr: Die einfachste Lösung. Eine Zeitschaltuhr (in der Steckdose oder am Sicherungsautomaten) gibt dem Boiler nur zwischen ca. 11 und 15 Uhr Strom. Kostet wenige Euro, wirkt sofort.
- Smart-Grid-Ready-Modus: Viele moderne Brauchwasserwärmepumpen und Boiler haben einen SG-Ready-Eingang. Damit lässt sich die Aufheizung gezielt in die Günstigzone legen.
- Bei Erzeugern: Überschusssteuerung: Wenn deine eigene PV-Anlage mehr produziert, als das Haus gerade braucht, kann eine intelligente Steuerung den Überschuss direkt ins Warmwasser leiten, statt ihn ins Netz zu schicken.
Wärmepumpe: das größere Kaliber
Eine Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser ist im Sommer vor allem für Warmwasser im Einsatz — und genau da lohnt das Mittags-Timing besonders. Im Winter, wenn die Wärmepumpe das ganze Haus heizt, ist die Lage schwieriger, weil dann auch viel Strom gebraucht wird, aber wenig Sonne da ist. Im Sommer und in der Übergangszeit dagegen kannst du den Warmwasserbedarf hervorragend in die Tagstrom-Stunden legen.
Wenn deine Wärmepumpe eine SG-Ready-Schnittstelle oder einen Tarifeingang hat, kann der Installateur sie so einstellen, dass sie ihre Hauptlaufzeit auf die Mittagsstunden legt. Das ist meist eine einmalige Einstellung mit dauerhaftem Nutzen.
Legionellenschutz: die Pflichtaufheizung mitplanen
Ein Warmwasserspeicher sollte aus hygienischen Gründen regelmäßig einmal richtig heiß werden — das nennt sich Legionellenschutz. Die meisten Boiler und Brauchwasserwärmepumpen haben dafür ein eigenes Anti-Legionellen-Programm, das den Speicher in bestimmten Abständen auf eine deutlich höhere Temperatur bringt. Dieses zusätzliche Aufheizen kostet extra Strom — also lohnt es sich doppelt, es geschickt zu legen.
Der Tipp ist derselbe wie im normalen Betrieb: Stell das Legionellenprogramm so ein, dass es in die Mittagsstunden fällt und nicht mitten in der Nacht läuft. Viele Geräte lassen dich Wochentag und Uhrzeit der Aufheizung frei wählen. So deckst du auch diese Extra-Portion Wärme mit günstigem Tagstrom statt mit teurem Nachtstrom. Wichtig: Am Legionellenschutz selbst nicht sparen — wie oft aufgeheizt wird, richtet sich nach den Vorgaben deines Geräts. Verschoben wird nur der Zeitpunkt, nicht die Häufigkeit.
Wie viel Speicher brauchst du?
Damit sich das Mittags-Timing wirklich auszahlt, muss der Speicher groß genug sein, um die Wärme des Tages bis zum Bedarf am Abend und am nächsten Morgen zu halten. Als grobe Faustregel für Warmwasser rechnet man rund 50 Liter pro Person im Haushalt — ein Vier-Personen-Haushalt ist also mit einem Speicher um die 300 Liter meist gut bedient. Wer knapper dimensioniert ist, kann trotzdem timen, hat aber weniger Reserve für den Abend.
Bei einer Wärmepumpe kommt oft noch ein Pufferspeicher für das Heizungswasser dazu. Auch er wirkt wie ein Wärmeakku: Je größer er ist, desto mehr Sonnenstromwärme kannst du mittags „einlagern" und später abrufen. Größer ist aber nicht automatisch besser — ein sehr großer Speicher verliert über seine Oberfläche auch mehr Wärme ungenutzt. Besser als der größtmögliche ist ein gut gedämmter Speicher in passender Größe. Wenn du ohnehin gerade tauschst oder neu baust, lohnt sich dazu das Gespräch mit dem Installateur.
Warum das gerade in der Energiegemeinschaft passt
Die Mittagsstunden sind genau die Zeit, in der in der EEG am meisten Sonnenstrom aus der Region zur Verfügung steht. Wenn du deine Wärmeerzeugung dorthin verschiebst, nutzt du nicht nur für dich günstigen Tagstrom — du hilfst auch mit, den lokalen Überschuss in der Gemeinschaft zu verbrauchen, statt ihn ins öffentliche Netz abzugeben. Je mehr Mitglieder ihren flexiblen Verbrauch in die Mittagszone legen, desto besser passen Erzeugung und Verbrauch in der EEG zusammen. Dein Warmwasserboiler wird so ganz nebenbei zu einem kleinen Baustein der gemeinsamen Energiewende.
Wärmepuffer schlägt Batterie? Eine ehrliche Einordnung
Ein Warmwasserspeicher ist günstig und sehr effektiv — aber er kann eben nur Wärme, keinen Strom zurückgeben. Für Licht, Kühlschrank oder Fernseher am Abend hilft er nicht. Wer auch den abendlichen Stromverbrauch mit Sonnenstrom decken will, kommt um eine Batterie nicht herum — ob sich die rechnet, haben wir im Stromspeicher-Beitrag ehrlich durchgerechnet. Die clevere Kombination ist oft: erst die günstige Wärmeverlagerung ausreizen, dann über eine Batterie nachdenken.
Was bringt's konkret?
Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht für Warmwasser grob 1.000 bis 2.000 kWh im Jahr. Verlagerst du davon einen ordentlichen Teil in die Tagstrom-Goldzone, sparst du übers Jahr leicht 30 bis 70 Euro — allein durch besseres Timing, ohne Komfortverlust. Heißes Wasser bleibt heißes Wasser, egal wann es aufgeheizt wurde.
Fragen zu deiner Anlage? Wir helfen gerne weiter: info@eeg-guntramsdorf.at.