Übergabe der Auszeichnung „Best Practice Projekt 2026“, v. l. n. r.: Herbert Greisberger (Geschäftsführer Energie- und Umweltagentur NÖ), Stephan Heidler (Leitung der Österreichischen Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften), Jakob Weigl (Energiegemeinschaften, Energie- und Umweltagentur NÖ), Gabriele Ertl (Obmann-Stellvertreterin EEG Guntramsdorf), Gerold Babuschik (Obmann EEG Guntramsdorf), LH-Stv. Stephan Pernkopf. Foto: © Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu)
Klima- und Energiefonds würdigt die Guntramsdorfer Energiegemeinschaft als eines von fünf innovativen Vorzeigeprojekten 2026 – Bürgermeister Robert Weber gratuliert
Guntramsdorf, 6. Oktober 2026 – Die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) Guntramsdorf zählt zu den Best-Practice-Beispielen 2026 der österreichischen Arbeitsplattform Energiegemeinschaften beim Klima- und Energiefonds. Österreichweit wurden heuer fünf Energiegemeinschaften für technologische, energiewirtschaftliche und soziale Innovationen ausgezeichnet. Gewürdigt wird, wie Guntramsdorf lokale und regionale Energiegemeinschaften sowie gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen in einem gemeinsamen System verbindet, damit der Strom so nah wie möglich dort verbraucht wird, wo er entsteht. Das Projekt wird auf der Best-Practice-Seite des Klima- und Energiefonds mit einem eigenen Video vorgestellt.
Ein schwieriges Netz, eine eigene Lösung
Guntramsdorf wird über zwei Umspannwerke und mehr als hundert Trafostationen versorgt. Eine lokale Energiegemeinschaft ist rechtlich an eine Trafostation gebunden, eine regionale an ein Umspannwerk. Die EEG Guntramsdorf hat deshalb für jede Trafostation und für jedes Umspannwerk einen eigenen Verein gegründet, der die jeweilige lokale bzw. regionale Energiegemeinschaft trägt – derzeit zwei regionale und 40 lokale. Der gemeinnützige Hauptverein ist selbst die regionale Gemeinschaft am Umspannwerk Wiener Neudorf; er verwaltet alle Zweigvereine einheitlich und führt sie mit denselben Tarifen. Für die Mitglieder bleibt es einfach: Wer beitritt, ist automatisch in seiner lokalen und in seiner regionalen Gemeinschaft – mit nur einer Anmeldung.
Wie viel Strom ein Haushalt aus der lokalen und wie viel aus der regionalen Gemeinschaft bezieht, legt eine selbst entwickelte Software jeden Tag für jeden Zählpunkt neu fest. Sie verbindet die Verbrauchsdaten der Mitglieder mit Sonnenprognosen von vier unabhängigen Wetterdiensten. Weil Strom aus der unmittelbaren Nachbarschaft die Netzentgelte am stärksten senkt, wird zuerst lokal verteilt und nur der Überschuss regional. Die gesamte Plattform – von der Datenanbindung an den Netzbetreiber bis zur Abrechnung und zum Mitgliederportal – wurde vom ehrenamtlichen Team selbst entwickelt. Eingebunden sind auch gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen auf Wohnhausanlagen.
Faire Tarife, kein Mitgliedsbeitrag
Alle Tarife werden nach einer offenen Formel aus dem Marktpreis der E-Control abgeleitet und jedes Quartal angepasst. Einen Mitgliedsbeitrag gibt es nicht; der Verein deckt seine Kosten ausschließlich über eine ausgewiesene Spanne von 0,50 Cent pro Kilowattstunde. Wer abends und nachts einspeist, etwa aus einem Heimspeicher, erhält einen Bonus. Und weil Erzeuger für Strom, der in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft verbraucht wird, mehr bekommen, werben sie selbst Mitglieder in ihrer Gasse – die Gemeinschaft wächst ohne Werbebudget.
Energiewende, die niemanden zurücklässt
Neben der Technik wurde der persönliche Zugang ausgezeichnet: Ältere Menschen werden auf Wunsch zuhause besucht, wo das gesamte Anmelden gemeinsam erledigt und eine Energieberatung angeboten wird. Beratungstermine gibt es auch im Rathaus. Mitglieder sind neben Haushalten und Betrieben auch die Marktgemeinde, die beiden gemeindeeigenen Energiegemeinschaften und die Pfarre Neu-Guntramsdorf St. Josef.
Stimmen zur Auszeichnung
„Diese Auszeichnung gehört allen unseren Mitgliedern und allen, die ehrenamtlich mitgearbeitet haben“, sagt Gerold Babuschik, Obmann der EEG Guntramsdorf. „Unser Stromnetz ist zersplittert – zwei Umspannwerke, über hundert Trafostationen. Wir haben das nicht als Hindernis gesehen, sondern eine Lösung gebaut, die jeden Tag für jeden Haushalt den günstigsten Weg für den Strom aus der Nachbarschaft findet. Dass uns das ehrenamtlich und ohne Mitgliedsbeitrag gelungen ist, macht mich besonders stolz. Unser Modell ist bewusst als Vorlage gedacht: Wir teilen unsere Erfahrungen gerne mit jeder Gemeinde, die einen ähnlichen Weg gehen will.“
„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch“, betont Gabriele Ertl, Obmann-Stellvertreterin der EEG Guntramsdorf. „Viele ältere Guntramsdorferinnen und Guntramsdorfer wollen mitmachen, scheitern aber an Formularen und Online-Portalen. Deshalb kommen wir zu ihnen nach Hause und erledigen alles gemeinsam am Küchentisch – und reden dabei auch darüber, wie man mit dem eigenen Verbrauch Geld sparen kann. Dass gerade dieser persönliche Weg österreichweit anerkannt wird, freut mich ganz besonders. Die Energiewende gelingt nur, wenn alle mitkommen.“
„Ich gratuliere der EEG Guntramsdorf sehr herzlich zu dieser österreichweiten Auszeichnung“, sagt Bürgermeister Robert Weber. „Die Marktgemeinde war von Anfang an Partner. Der Gemeinderat hat im Dezember 2025 die Teilnahme beschlossen, und nur drei Monate später lief die Gemeinschaft im Vollbetrieb. Was hier ehrenamtlich aufgebaut wurde, ist ein Vorbild weit über Guntramsdorf hinaus: Der Strom aus unseren Dächern bleibt im Ort, die Ersparnis bleibt bei unseren Bürgerinnen und Bürgern und Betrieben, und das Netz wird entlastet. Mein Dank gilt allen, die das möglich gemacht haben.“
Die EEG Guntramsdorf in Zahlen
- gegründet am 19. November 2025 von Gerold Babuschik und Gabriele Ertl in Kooperation mit der Marktgemeinde Guntramsdorf, Vollbetrieb seit 1. April 2026
- 433 Mitglieder (Stand Oktober 2026)
- rund 700 Zählpunkte: 207 Erzeuger- und 495 Verbraucher-Zählpunkte
- über 26.000 Euro Ersparnis und Mehrverdienst für die Mitglieder seit Jahresbeginn als Wertschöpfung im Ort
- gemeinnütziger Verein, ehrenamtlicher Vorstand, kein Mitgliedsbeitrag, kein Risiko
Mitmachen: Termine und Beitritt
Wer sich persönlich informieren möchte, hat im November zwei Gelegenheiten:
- Donnerstag, 19. November 2026, 17 bis 18 Uhr – Beratungstermin im Rathaus Guntramsdorf. Fragen zu Beitritt, Tarifen und eigener PV-Anlage werden direkt vor Ort beantwortet.
- Montag, 23. November 2026, 18 Uhr – Energiestammtisch beim Heurigen Ludwig Hofstädter. Austausch mit Vorstand und Mitgliedern in gemütlicher Runde. Um Anmeldung unter info@eeg-guntramsdorf.at wird gebeten.
Mitglied werden können alle Haushalte und Betriebe in ganz Guntramsdorf – mit oder ohne eigene PV-Anlage. Der Beitritt ist ganz einfach online auf eeg-guntramsdorf.at/mitglied-werden möglich.
Weitere Informationen
Best-Practice-Beispiele 2026 beim Klima- und Energiefonds (mit Video zur EEG Guntramsdorf)
Rückfragehinweis
EEG Guntramsdorf
Gerold Babuschik, Obmann
E-Mail: info@eeg-guntramsdorf.at