Bei Beratungsgesprächen kommt diese Frage zuverlässig: „Heisst das, Wiener Netze sieht jetzt jeden meiner Schritte? Wann ich aufstehe, wann ich Fernseh schaue, wann ich nicht zuhause bin?" — Verständliche Sorge, aber die Antwort ist eindeutig differenzierter, als Internet-Alarmisten gerne behaupten.
In diesem Beitrag schauen wir uns Punkt für Punkt an, welche Daten dein Smart-Meter tatsächlich überträgt, was Wiener Netze damit anfängt — und was die EEG Guntramsdorf von all dem zu sehen bekommt.
Was misst ein Smart-Meter überhaupt?
Ein moderner Smart-Meter (in Österreich meist vom Typ Landis+Gyr E450 oder Iskraemeco AM550) misst alle 1 Sekunde deinen aktuellen Stromfluss und aggregiert die Werte zu Viertelstunden- und Stundenwerten. Was übertragen wird, ist allerdings deutlich weniger:
Was an Wiener Netze geht
Laut Datenschutzerklärung der Wiener Netze werden vom Zähler über das Messnetz nur folgende Daten übertragen:
- Zählpunktnummer (also die 33-stellige Kennung deines Anschlusses)
- Zählerstand (Energiemenge in kWh)
- Wirkverbrauch (Verbrauch im jeweiligen Zeitintervall)
- Leistung und Lastprofil (in 15-Minuten-Auflösung, wenn du das selbst freigegeben hast)
- Statusinformationen über den Zähler (z.B. Fehlermeldungen)
Was nicht übertragen wird:
- Dein Name oder deine Adresse (die Zuordnung erfolgt über die Zählpunktnummer in einem getrennten System)
- Welche Geräte du betreibst
- Wer in deinem Haushalt zuhause ist
- WLAN-Daten oder andere Netzwerkinformationen
Die Daten werden verschlüsselt übertragen, und nach 3 Jahren gemäß gesetzlicher Aufbewahrungsfrist wieder gelöscht.
Aber: 15-Minuten-Werte sind nicht harmlos
Hier sollten wir ehrlich sein: Auch wenn weder Name noch Geräte übertragen werden — aus 15-Minuten-Lastprofilen lassen sich theoretisch durchaus Rückschlüsse ziehen. Wann das Wasser im Boiler erhitzt wird, wann jemand kocht, ob jemand überhaupt zuhause ist. Diese Profile sind das, was Datenschützer am meisten kritisieren.
Wichtig zu wissen:
- Die 15-Minuten-Aufzeichnung muss in Österreich aktiv freigeschaltet werden — im Standardmodus speichert dein Smart-Meter nur den Tageszählerstand und die Stundenwerte.
- Sobald du an einer EEG teilnimmst, muss die 15-Minuten-Erfassung allerdings aktiviert werden — ohne diese Auflösung kann nicht abgerechnet werden, welcher Strom aus der EEG kam.
- Die Daten sind dann nur für dich selbst (im Wiener-Netze-Portal), für deinen Stromanbieter (zur Abrechnung) und für die EEG sichtbar.
Was die EEG Guntramsdorf von dir sieht
Hier wollen wir vollständig transparent sein. Was bekommen wir als deine Energiegemeinschaft tatsächlich zu sehen?
Wir sehen
- Deine 15-Minuten-Lastprofile (also dein Verbrauch oder deine Einspeisung pro Viertelstunde)
- Den Anteil davon, der aus EEG-Strom gedeckt wurde (lokal/regional)
- Den Anteil, der aus dem regulären Netz kam
- Bei Erzeugern: wieviel Strom in welche EEG-Schicht eingespeist wurde
Wir sehen NICHT
- Welche Geräte du betreibst
- Wann jemand zuhause ist (das lässt sich aus Lastprofilen ableiten, ist aber nicht direkt sichtbar)
- Welche Webseiten du besuchst, was du über WLAN machst
- Daten von anderen Mitgliedern (jeder sieht nur seine eigenen Zählpunkte)
Wer hat Zugriff?
Bei der EEG Guntramsdorf gibt es genau zwei Personenkreise mit Lesezugriff auf die individuellen Zählpunktdaten: das Vorstandsteam und das Mitglieder-Betreuungsteam (aktuell insgesamt 7 Personen — der vierköpfige Vorstand und drei Mitglieder-Betreuer:innen, alle ehrenamtlich tätig). Jede dieser Personen hat eine Verpflichtungserklärung zum Datengeheimnis gemäß DSGVO und DSG unterzeichnet, der Zugriff erfolgt nach dem Need-to-know-Prinzip. Alle anderen Mitglieder sehen ausschließlich aggregierte Werte (z.B. den Gesamtertrag der EEG, nicht aber die Werte einzelner Zählpunkte). Externe Dritte haben gar keinen Zugriff — unsere gesamte Plattform EEGControl läuft auf eigener Infrastruktur in Österreich (Serverstandort Wien), ohne Cloud-Anbindung an internationale Provider.
Wo deine Daten konkret durchfließen
Hier eine vereinfachte Datenflusskette:
- Dein Zähler misst und sendet verschlüsselt über das Wiener-Netze-Messnetz an Wiener Netze
- Wiener Netze speichert die Daten verschlüsselt und teilt sie mit deinem Stromanbieter (zur Verrechnung) und dem EDA-System (Elektronischer Datenaustausch zwischen Netzbetreibern und Energiegemeinschaften)
- Über das EDA-System bekommt unsere EEG nur die Zählwerte deiner freigegebenen Zählpunkte — ohne deinen Namen oder deine Adresse
- In unserem System werden die Daten erst dann mit deiner Mitgliedschaft verknüpft, wenn du explizit deine Zählpunktnummer eingetragen hast
Das ist die ganze Datenkette. Keine Geheimdienste, kein Verkauf an Dritte, keine Marketing-Profile. Wer das anders behauptet, hat es entweder nicht verstanden oder verkauft etwas.
Konkrete Datenschutzrechte
Du hast als EEG-Mitglied bei uns jederzeit folgende Rechte (DSGVO):
- Auskunft: Auf Anfrage exportieren wir alle über dich gespeicherten Daten
- Löschung: Bei Austritt werden deine persönlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen (typ. 7 Jahre wegen UGB/BAO) vollständig gelöscht
- Datenportabilität: Du bekommst deine Daten im JSON- oder CSV-Format
- Datenfreigabe widerrufen: Die Freigabe deiner Zählpunkt-Daten für die EEG kannst du jederzeit selbst über das Smart-Meter-Webportal von Wiener Netze widerrufen — das beendet sofort die EEG-Datennutzung für diesen Zählpunkt
- Vereinsmitgliedschaft kündigen: Die Mitgliedschaft selbst kannst du mit einer Kündigungsfrist von einem Monat zum Monatsletzten beenden (laut Statuten §6.2 und AGB §7) — formlos per E-Mail an info@eeg-guntramsdorf.at oder direkt im Mitgliederportal
Was passiert ohne Smart-Meter?
Ohne Smart-Meter (also wenn du noch einen alten Ferraris-Zähler hast) kannst du an einer Energiegemeinschaft nicht teilnehmen — das ist eine technische, keine politische Voraussetzung. Eine 15-Minuten-Abrechnung wäre mit einem Zähler, der nur monatlich abgelesen wird, schlicht nicht möglich.
Wer noch einen alten Zähler hat und ihn bisher nicht tauschen lassen wollte: Wiener Netze tauscht ihn auf Anfrage kostenlos gegen einen Smart-Meter. Mehr dazu in unserem Schritt-für-Schritt-Tutorial.
Fazit
Smart-Meter sind nicht das Überwachungsinstrument, als das sie manchmal dargestellt werden — aber sie sind auch keine harmlose Verbrauchsanzeige, weil aus 15-Minuten-Profilen durchaus Rückschlüsse möglich wären.
Für dich als EEG-Mitglied gilt: Die Datenmenge, die wir sehen, ist genau die, die wir für Abrechnung und Transparenz brauchen — nicht mehr und nicht weniger. Die Datenflusskette ist nachvollziehbar und auditiert. Und wenn du je eine Frage hast, was wir über dich gespeichert haben: einfach mailen, du bekommst eine vollständige Antwort.
Noch Fragen oder Bedenken? Wir sind transparent und freuen uns über Nachfragen: info@eeg-guntramsdorf.at.