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Wäsche, Geschirrspüler, E-Auto: Wann du im Sommer am günstigsten Strom verbrauchst

09.06.2026 · Gerold Babuschik

Wäsche, Geschirrspüler, E-Auto: Wann du im Sommer am günstigsten Strom verbrauchst

Stell dir vor, du hättest einen Schalter in der Küche, mit dem du den Stromverbrauch deiner Wäsche um rund 20 % vergünstigen könntest — ohne weniger zu waschen, ohne ein neues Gerät zu kaufen. Diesen Schalter gibt es. Er heißt Startzeit-Vorwahl, sitzt seit den 1990er-Jahren auf jedem Geschirrspüler und jeder Waschmaschine — und wird trotzdem von kaum jemandem benutzt.

In diesem Beitrag schauen wir uns konkret an, wann im Sommer der Strom in unserer EEG am günstigsten ist, welche Geräte sich besonders für eine Verlagerung lohnen, und mit welchen kleinen Tricks du das ohne großen Aufwand hinkriegst.

Warum der Zeitpunkt überhaupt eine Rolle spielt

Wer regulär Strom bezieht, zahlt 24 Stunden am Tag den gleichen Tarif (außer bei sehr alten Wärme­pumpen-Tarifen). Für dich als EEG-Mitglied gilt das nicht: Du zahlst nur dann den vergünstigten EEG-Tarif, wenn im selben Viertelstunden-Intervall tatsächlich auch ein Erzeuger in der EEG Strom einspeist.

Im Klartext: Wenn du um Mitternacht die Waschmaschine startest, schläft die PV-Anlage des Nachbarn — du beziehst regulären Reststrom zum vollen Tarif. Wenn du dagegen um 12:30 Uhr startest, läuft die Sonne auf Vollgas, deine Maschine bekommt EEG-Strom, und du sparst pro Waschgang typischerweise 5­-8 Cent (bei ca. 1,2 kWh und der EEG-Lokal-Ersparnis von rund 4 ct/kWh gegenüber Bezug aus dem freien Markt).

Klingt nach wenig? Über ein Jahr hochgerechnet sind das für einen Drei-Personen-Haushalt mit Wäsche, Geschirrspüler und Trockner gerundet 30­-60 Euro — und das nur durch ein bisschen Timing. Mit E-Auto und Wärmepumpe vervielfacht sich das.

Die goldenen Stunden im Sommer

Für die EEG Guntramsdorf zeigen unsere Daten ein klares Muster: Zwischen April und Oktober sind die Stunden zwischen 10:00 und 16:00 Uhr die mit Abstand günstigsten für Strom­bezug. In dieser Zeit speisen unsere rund 120 Erzeuger­-Zählpunkte mit insgesamt etwa 1.500 kWp installierter PV-Leistung so viel Strom ein, dass die Verbraucher in den Mittagsstunden eine sehr hohe EEG-Deckung haben — an sonnigen Sommertagen sind kurzfristig 100 % möglich. Über den ganzen Sommer gemittelt liegt die Deckung typischerweise bei 41­-49 % (Sommer 2025), in den Wintermonaten deutlich darunter (Dezember/Jänner 2025/26: 0,6­-1,3 %).

Die absolute Goldzone:

  • 11:00 bis 14:00 Uhr: Maximale Sonneneinstrahlung, höchster EEG-Deckungsgrad, oft 100 %
  • 14:00 bis 16:00 Uhr: Immer noch hervorragend, leichter Rückgang
  • 09:00 bis 11:00 / 16:00 bis 18:00 Uhr: Gut, aber nicht optimal

Ein Bonus oben drauf: Im Zeitraum 10:00­-16:00 Uhr greift im Sommer auch der SNAP-Tarif (Sommer-Nieder-Arbeitspreis) — 20 % Rabatt auf das Netznutzungs­entgelt. Allerdings: Der SNAP greift nur für den Reststrom-Bezug, nicht für den EEG-Anteil. Mehr dazu in unserem SNAP-Erklärbeitrag.

Welche Geräte lohnen sich besonders?

Nicht alles im Haushalt ist gleich gut zu verschieben. Hier eine ehrliche Einschätzung:

Top-Kandidaten (großer Hebel, einfach umsetzbar)

  • Waschmaschine (~1,2 kWh pro Waschgang): Startzeit-Timer einstellen, fertig. 5­-8 Cent Ersparnis pro Waschgang.
  • Geschirrspüler (~1,0 kWh pro Spülgang): Gleiches Prinzip. 5­-7 Cent pro Gang.
  • Wäschetrockner (~3,0 kWh pro Trocknung): Hier ist die Ersparnis entsprechend größer — bis 20 Cent pro Trocknung.
  • E-Auto (typische Ladung 10­-80 kWh): Das ist die größte einzelne Stellschraube. Ersparnis pro Ladung: rund 0,40­-3,30 Euro (bei 4 ct/kWh EEG-Lokal-Vorteil). Übers Jahr läppern sich auch hier 50­-150 Euro zusammen, wenn du regelmäßig in der Goldzone lädst. Wenn du das Auto tagsüber zu Hause hast (Home Office, Wochenende, Pension), unbedingt auf Mittagsladen umstellen.
  • Klimaanlage (typisch 1­-2 kW × 4­-6 h/Tag = 4­-12 kWh/Tag): Der vielleicht eleganteste „Treffer" im Sommer — die Klima läuft sowieso genau dann, wenn die Sonne scheint, also voll in der EEG-Goldzone. Null Verschiebungs­aufwand, einfach auflegen. Ersparnis: rund 15­-50 Cent pro Tag, über den Sommer schnell 30­-60 Euro. Bonus-Trick: Vorkühlen zwischen 12 und 14 Uhr für Räume, die du erst abends nutzt — verlagert noch mehr Bezug in die Günstigzone.

Mittel-Kandidaten (möglich, etwas Aufwand)

  • Boiler / Warmwasserspeicher: Viele moderne Modelle haben einen „Smart-Grid-Ready"-Modus — wenn nicht, hilft eine einfache Zeitschaltuhr in der Steckdose oder am Sicherungs­automaten.
  • Wärmepumpe: Wenn deine Anlage einen WP-Tarif­eingang oder eine Smart-Grid-Schnittstelle hat, lässt sich die Hauptlaufzeit auf die Mittagsstunden legen. Erfordert meist einmalig den Installateur.
  • Pool-Pumpe (typisch 0,5­-1 kW × 6­-8 h/Tag = 3­-8 kWh/Tag): Pumpe von Nacht- auf Tagbetrieb (10­-16 Uhr) umstellen. Viele Steuerungen haben Zeitprofile eingebaut. Ersparnis: rund 4­-8 Euro pro Sommermonat.
  • Pool-Heizung (Wärmepumpe oder Heizstab, 5­-15 kWh/Tag): Identische Logik — Heizphase auf 10­-16 Uhr legen. Ersparnis: 5­-15 Euro pro Sommermonat, je nach Pool­größe. Wenn du Pumpe und Heizung gemeinsam steuerst, läuft beides effizient zusammen.

Eher uninteressant (lass es)

  • Kühlschrank, Gefrierschrank: Läuft sowieso 24/7, keine Verschiebung sinnvoll.
  • Kochen, Backen, Kaffee­maschine: Lass dir nicht den Tagesablauf vom Stromtarif vorschreiben.
  • Beleuchtung, TV, Computer: Verbrauch ist meistens zu klein für eine sinnvolle Verschiebung.

Drei praktische Tipps

1. Die „Mittag-Routine"

Bevor du morgens das Haus verlässt: Geschirr­spüler einräumen, Startzeit auf 12:00 Uhr stellen. Waschmaschine befüllen, Startzeit 13:30 Uhr. Wenn du heimkommst, ist alles fertig — und kostet ein Drittel weniger.

2. E-Auto: WLAN-Wallbox = Gold wert

Eine moderne WLAN-Wallbox (z.B. go-eCharger, KEBA) erlaubt Zeitprofile über die App. Stelle ein: „Lade nur zwischen 10:00 und 16:00". Wenn du das Auto am Abend nach der Arbeit ansteckst, wartet es bis zum nächsten Mittag — und lädt dann mit günstigem EEG-Strom. Bei einer mittleren Ladeleistung von 11 kW und 5 Stunden Ladefenster sind das bis zu 55 kWh pro Tag — mehr als die meisten Pendler überhaupt brauchen, und in der EEG-Lokal-Goldzone rund 2,20 Euro Ersparnis gegenüber freiem Markt-Tarif pro Volltag.

3. Im Portal nachschauen (mit ein, zwei Tagen Verzögerung)

Falls du Mitglied bei uns bist: Im Mitglieder­portal siehst du für jede Viertelstunde, wie hoch der EEG-Deckungs­anteil deiner Zählpunkte war — allerdings nicht in Echtzeit, sondern mit ein, zwei Tagen Verzögerung (die Werte schickt uns Wiener Netze über den EDA-Datenaustausch erst am nächsten Tag). Für die ehrliche Erfolgs­kontrolle deiner Verlagerungs­experimente reicht das locker — und es macht trotzdem süchtig, wenn du am Mittwoch siehst, wie deine Montag-Mittag-Ladung gepasst hat.

Was es nicht ist: ein Verzicht

Wir wollen niemandem vorschreiben, wann er waschen oder kochen soll. Wer abends noch eine Maschine anwerfen muss, soll das tun — das ist völlig in Ordnung. Aber ein paar bewusste Verschiebungen pro Woche, mit Null Aufwand und Null Komfort­verlust, sparen am Ende des Jahres echtes Geld — und entlasten gleichzeitig das Stromnetz.

Noch kein Mitglied? Hier anmelden — und ab dem nächsten Quartal in den Genuss der EEG-Tarife kommen.